Gedanken zur Weihnacht 2011 - Seite 2
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Auch wenn in der Öffentlichkeit angesichts der Abschottung des Landes kaum etwas über das Schicksal einzelner Menschen bekannt ist, wissen wir, daß die Erbdiktatoren von Nordkorea ihr Volk in Armut halten, daß Hungersnöte die Menschen bedrücken und dennoch selbst die Auswanderung, also die eigenverantwortliche Suche nach einem besseren Leben außerhalb der Heimat, als staatsfeindlicher Akt verstanden und mit Waffengewalt verhindert wird – wie das in kommunistischen Diktaturen üblich ist.
Wie reagieren nun die Menschen in Nordkorea auf die Nachricht vom Tod des Tyrannen? Mit offen gezeigter Zuversicht in der Hoffnung auf bessere Zeiten? Mit Furcht vor einem womöglich noch grausameren dritten Kim? Nein! Zumindest auf den von der staatlichen Propaganda verbreiteten Photos: Mit öffentlich zur Schau gestellten Tränen, wie sie auf den Titelseiten der bedeutendsten deutschsprachigen Zeitungen zu sehen waren! Als 1953 der grausame, kriminelle Massenmörder Stalin starb, gingen ähnliche Bilder von verzweifelten Menschen um die Welt.
Wie sind diese Reaktionen zu verstehen? Sind sie irgendwie nachvollziehbar? Und was hat das mit Weihnachten zu tun?
Atheistische Diktaturen betrachten die Menschen als Staatsbesitz. Die Würde des Menschen wird nicht anerkannt, ja, nicht einmal begriffen, denn sie hat keine Basis im Denken von Diktatoren. Die Würde des Menschen, von der das Grundgesetz spricht, kommt jedem Menschen zu. Jedem: dem Ausländer wie dem Deutschen, dem Säugling wie der Mutter, dem Junkie, dem Penner wie der Prostituierten, dem Professor oder Minister. Das kann nicht auf der eigenen Leistung dieser Menschen beruhen. Die Würde des Menschen kann man sich nicht erarbeiten. Die Würde des Menschen ist uns geschenkt. Sie ist eine „fremde“ Würde. Nach christlicher Auffassung kommt als Quelle dieser Würde, der Fundamentalnorm des Grundgesetzes, nur Gott in Betracht.
Wenn aber Gott nicht bekannt gemacht werden darf, hat auch die Menschenwürde keine Basis. Der Mensch ist dann dem Treiben des Staates ausgeliefert. Er wird ein reiner Funktionsträger. Stirbt der oberste Kommandeur und Kontrolleur des ganzen Systems, in das die menschlichen Rädchen eingesetzt sind, herrscht Orientierungslosigkeit – und die Betroffenen weinen.
Nun aber ist Jesus in unsere Welt hineingekommen. Das heißt: Gott hat sich unserer Welt greifbar in Menschengestalt angenommen. Das hat unsere Stellung als Menschen grundlegend verändert. Und das feiern wir an Weihnachten.
Allen Lesern ein gesegnetes Christfest!