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Neuwahl in Neuss mit Ansgar Heveling MdB

DSCF0303_550„Was ist für Christen am Rednerpult
anders?“, fragte Ansgar Heveling als Gast auf der Mitgliederversammlung des EAK

im Rheinkreis Neuss. Mit Heiner Geißler, dem früheren Generalsekretär der CDU, der sich auch bei dem seinerzeitigen Vertreter der EAK in Bonn, Bischof Heinz-Georg Binder, hohes Ansehen erworben hatte, hielt Heveling das Christliche in der Politik für eine „tägliche Provokation“. Hingegen wäre es falsch, Christen – auch Katholiken – in der Politik als eine Art „verlängerten Arm“ einer anderen Institution zu verstehen. Angesichts der Verschränkung des religiösen mit dem weltlichen Bereich schon durch die Menschen, um die es geht, könne sich ein christlich geprägter Politiker auch sicher nicht als „Gotteskrieger“; sondern vielmehr als „Brückenbauer“ verstehen.

Auch ein bewußt missionarisches Auftreten lehnte Heveling aus katholischer Perspektive für Politiker ab. Denn Glaubensaussagen könnten keine politischen Argumente ersetzen. Zu überzeugen sei nur mit rational begründeten Aussagen, nicht mit subjektiven Bekenntnissen. Für diese Ansicht konnte sich Heveling sogar auf eine biblische Basis beziehen: Jesu bekanntes Wort über den Zinsgroschen: „So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist – und Gott, was Gottes ist“, deutete er als Anerkennung der Eigenständigkeit weltlicher Rationalität – was seine Kirche nicht immer so gesehen hat.

Aber gibt es dann überhaupt eine spezifisch „christliche“ Haltung zur Politik? Heveling bejahte:
Denn erstens wissen Christen: Der Staat ist eine vorläufige, diesseitige Einrichtung. Das von ihnen erwartete Reich Gottes ist hingegen nicht von dieser Welt. Das bewahrt vor jeder „Staatsvergötzung“.
Zweitens haben Christen ein Bewußtsein für die Unzulänglichkeiten in dieser Welt. Sie ist verbesserungsbedürftig und verbesserungsfähig, woraus sich eine Motivation für das eigene Engagement ergibt.
Drittens aber wissen Christen zugleich auch um persönliche Schuld und die Möglichkeit des Scheiterns, wodurch sie sich von unrealistischen Ansprüchen freimachen können.

Wenn nun aber der Staat keine spezifisch christliche, sondern eine „wertneutrale“ Einrichtung ist: Dürfen Christen sich dann überhaupt „in der Politik tummeln“? Anders als etwa der frühere Kirchenpräsident Martin Niemöller bejahte Heveling auch dies. Staat und Gesellschaft brauchten die Christen, da das Gemeinwesen die Grundlagen, auf denen es aufbaue – wie etwa die Menschenwürde – nach einer bekannten Aussage Ernst-Wolfgang Böckenfördes selbst nicht schaffen oder begründen könne. So sah Heveling konkrete Defizite bei der mit Mehrheit getroffenen PID-Entscheidung des Deutschen Bundestages und dem fehlenden Gottesbezug im Gemeinschaftsrecht der Europäischen Union. Dem Euro-Rettungsschirm habe er hingegen zugestimmt, weil er nicht akzeptieren könne, daß es Kräfte gebe, die darauf spekulierten, „daß andere verlieren“ – auch diese Entscheidung erschien bei ihm christlich-sozial fundiert.

Mit Bezug auf die eigene Partei zitierte Heveling abschließend die Kanzlerin: Angela Merkel habe gegenüber Papst Benedikt XVI. darauf hingewiesen, daß die CDU das erfolgreichste ökumenische Projekt sei, das es in Deutschland je gegeben hat. In der Diskussion wurden dann neben weiteren inhaltlichen auch formale Aspekte angesprochen Ungereimtheiten bei der Mehrwertsteuer spielten ebenso eine Rolle wie der Stil des mitmenschlichen Umgangs und die Voraussetzungen für die Vertrauenswürdigkeit von Parteien und Politikern.

Sozusagen „nebenbei“ vollzog sich die Wahl des neuen EAK-Kreisvorstands: Marion Violett-Puder (Neuss) wurde einstimmig in ihrem Amt bestätigt. Günter Gehlen (Grevenbroich) bleibt ihr erster Stellvertreter, Ulrike Rotterdam (Dormagen) wurde neu zur stellvertretenden Vorsitzenden gewählt – insgesamt ein anregender Abend mit einem sehr konstruktiven Resultat.

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