Unchristlicher Umgang?

Der Vorsitzende des EAK Niederrhein erklärt:
Die in der Presse kolportierten, gegen Wolfgang Bosbach gerichteten, hingeworfenen Äußerungen erscheinen als sehr bedauerlich. Wenn sie zutreffen, sind sie Ausdruck einer besonderen Anspannung vor einer wichtigen Entscheidung, aber menschlich verletzend und nicht akzeptabel. Wenn nun öffentlich ein ehrliches Bedauern über die eigene Gereiztheit bekundet worden ist, sollte das auch anerkannt werden.
Politisch umstrittene Entscheidungen wirken indes dann überzeugender, wenn die Öffentlichkeit den Eindruck gewinnt, daß zumindest die in alle relevanten Details eingeweihten Entscheidungsträger eine wohlüberlegte Abwägungsentscheidung getroffen haben. Jede politische Gruppierung ist an Geschlossenheit in den eigenen Reihen interessiert, doch von außen erkennbarer politischer Druck wird öffentlich leicht als Zeichen dafür genommen, daß bessere Argumente zur Überzeugung von Abweichlern fehlen. Daher ist er kontraproduktiv.
Es wäre allerdings scheinheilig, zu vergessen, daß Pressionen auf allen Seiten zum politischen Geschäft gehören. So ist aus dem ersten Deutschen Bundestag der Fall des Kommunisten Kurt Müller bekannt, der sich nach Ansicht seiner Partei „unbotmäßig“ verhielt und daraufhin 1950 in Ost-Berlin verschwand. Die KPD präsentierte dann eine – offenbar vorher unterschriebene – Mandatsverzichtserklärung, die vom Deutschen Bundestag aber nicht anerkannt worden ist. Denn hier lag tatsächlich verbotener „Fraktionszwang“ vor – ein Extremfall politischer Druckausübung!
Die SPD berief während der Beratung der sogenannten „Ostverträge“ einzelne Abgeordnete aus den zuständigen Ausschüssen ab, weil die Fraktion dort ansonsten um ihre Mehrheit hätte fürchten müssen. 1965 hatte die Partei noch sehr gezielt Vertriebenenfunktionäre umworben und einzelnen von ihnen zu Mandaten im Deutschen Bundestag verholfen – ein massiver Wechsel der politischen Ausrichtung, verbunden mit persönlichen Nachteilen für betroffene Abgeordnete wie Herbert Hupka (später: CDU).
In den USA haben 1973 weniger die Delikte seiner Mitarbeiter als vielmehr seine eigenen, auf Tonbändern dokumentierten Verbalinjurien – selbst ohne deren ausdrückliche Wiedergabe („expletives deleted“) – dazu beigetragen, daß der amerikanische Präsident Richard Nixon während der „Watergate-Affäre“ bei seiner Anhängerschaft massiv an Unterstützung verlor. Dies sollten alle Politiker bedenken und in ihrem Verhalten berücksichtigen.