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Massenmorde in Norwegen

Angesichts der Massenmorde in Norwegen erklärt der Vorsitzende des EAK Niederrhein:

Wir stehen fassungslos vor der sinnlosen Gewalttat eines Mannes,

 der sein Leben dazu genutzt hat, andere Leben unwiederbringlich auszulöschen. Wir begreifen nicht, was einen Menschen, dazu bringen kann, unprovoziert junge Menschen – friedlich versammelte Landsleute – zu töten, die er nicht kennt, ja, denen er vermutlich nie persönlich begegnet ist. Wir trauern mit den Hinterbliebenen und allen Norwegern, die ihr friedliches Land von einer irrsinnigen Bluttat befleckt sehen.

Die ermordeten Menschen gehörten nicht zur christlich-demokratischen Parteienfamilie, sondern nahmen an einem Lager einer sozialistischen Jugendorganisation teil. Wir wissen nicht, wie sich ihr Denken entwickelt hätte, wenn man ihnen Zeit dazu gelassen hätte. Ihr Leben ist vorüber, bevor es das Reifestadium von Berufsausübung und eigener Familiengründung erreichen konnte.

Was läßt sich in einer solchen Situation aus politischer Warte sinnvoll sagen, das nicht als anmaßend oder „Schnellschuß“ unter Ausnutzung der Situation verstanden werden kann?

Zum ersten: Auf Jesus Christus kann sich niemand berufen, der vorsätzlich Morde zu begehen gedenkt. Was immer sich der norwegische Einzelgänger auf seinem Bauernhof zusammenphantasiert haben mag und wie immer er seine Taten zu rechtfertigen oder zu verbrämen gedenkt: Die christliche Botschaft ist dem Menschen zugewandt, liebend, den Tod überwindend. Das erfährt man in einer Gemeinde. Die bei manchen Christen anzutreffende Neigung, das Ende der Welt zu erwarten, ändert nichts an der mit Ostern und Weihnachten verbundenen christlichen Freude. Denn auch das Ende der Welt wird nach der Offenbarung des Johannes von Gott herbeigeführt, mündet ein in Gottes Reich und stellt daher eine hoffnungsvolle Perspektive dar.

Zum zweiten: Das Böse ist keine literarische Fiktion aus Kindermärchen. Es ist keine Nationaleigenschaft der Deutschen. Und es ist auch nicht mit dem Tode Adolf Hitlers untergegangen. Die christliche Botschaft weiß um das Böse im Menschen: Der Mensch ist zum Bösen fähig, wie er auch in der Lage ist, recht zu handeln – was allerdings nach evangelischer Auffassung nicht „verdienstvoll“, sondern Gott und den Menschen geschuldet ist. Aber jedenfalls müssen wir in Politik und Gesellschaft die reale Möglichkeit des Bösen in Rechnung stellen. Sie zu ignorieren wäre naiv.

Zum dritten: Auch wenn die Opfer zu politischen Gegnern herangewachsen wären, hätte niemand das Recht gehabt, sie als Feinde zu behandeln. Christen verstehen die Würde des Menschen nicht als Verdienst, sondern als eine von Gott verliehene Eigenschaft, eine „fremde“ Würde. Sie kommt jedem zu, auch dem „Feind“, dem „Penner“, dem Drogendealer, der hilflosen „Alzheimer“-Patientin – und auch Anders Behring Breivik. Diese Qualität des Menschen als Mensch kann jedoch nicht daran hindern, jeden nach seinem tatsächlichen Handeln zu beurteilen und gegebenenfalls auch zu bestrafen.

Zum letzten: Aus christlicher Sicht ist „Solidarität“ die weltliche Variante der Nächstenliebe. Anders als Sozialisten verstehen Christliche Demokraten „Solidarität“ daher nicht als klassenbezogenen Kampfbegriff, sondern als eine ethische Verpflichtung, die Gegensätze überwindet. So stehen wir in Trauer verbunden an der Seite unserer politischen Gegner.

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