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Von Feiertagen und ihrem Sinn

HolzkreuzMit geringen Ausnahmen beruhen unsere Feiertage in Deutschland, Europa und der westlichen Welt auf christlichen Traditionen. Sie gliedern unsere Zeit. Der Staat hat diese Feiertage nicht er-funden, sondern vorgefunden und anerkannt. So laden die Christen jeden Sonntag alle Menschen ein, sich mit ihnen der Auferstehung Jesu Christi zu erfreuen.

 Denn das ist der Sinn des Sonntags. Christen beanspruchen diesen wie die anderen Feiertage nicht exclusiv für sich selbst, sondern prägen mit ihrer Erfahrung eines weltverändernden Ereignisses den Lebensrhythmus der Menschen in weiten Teilen der Erde.

Christliche Feiertage sind damit nicht einfach eine soziale Errungenschaft, die man je nach dem erwirtschafteten Einkommen einer Volkswirtschaft mal enger, mal großzügiger auslegen und verteilen kann. Sie beruhen vielmehr auf einem Sinn, der sie trägt: Denn wer einen Feier-Tag haben will, braucht zunächst etwas zu feiern!

Wir kennen das aus dem privaten Bereich: Geburtstag, Examen, Hochzeit, Jubiläum oder Taufe geben einem Fest seinen Charakter. Ebenso bestimmt der Staat an seinem Nationalfeiertag die Art des Gedenkens und der Selbstdarstellung eines Landes.

Wer nicht eingeladen ist oder aus bestimmten Gründen nicht mitfeiern möchte, geht bei privaten wie auch staatlichen Festivitäten seiner Alltagsbeschäftigung nach. Man muß nicht mitfeiern und bei Begräbnissen mittrauern. Man kann abseits stehen, wenn einen der Vorgang nichts angeht. Aber man kann nicht als Gast zu einer Beerdigung gehen, um einen Maskenball zu feiern.

Christen laden alle ein – meistens, um mit ihnen zu feiern und ganz gelegentlich mit ihnen zu trauern. Die Gesellschaft hat sich auf dieses Angebot seit Jahrhunderten gern eingelassen und die Feiertage als solche übernommen. Der Gottesdienst ist keine entbehrliche Zutat zu einem Feiertag, sondern die Stelle, an der man etwas über den Sinn der Feier erfährt.

Soweit in der öffentlichen Diskussion der Eindruck erweckt wird, es gebe nun einmal „freie Tage“ mit der Möglichkeit, entweder in die Kirche zu gehen oder sich zu amüsieren, ist diese Alternative prinzipiell falsch formuliert. Vielmehr geht es darum, einen christlichen Feiertag zu begehen oder einen Werktag zu haben. Insoweit ist die neuerdings von manchen für eine „Zumutung“ gehaltene Forderung, sich unauffällig-ruhig zu verhalten, wenn man denn den dunklen Inhalt eines bestimmten Feiertages nicht nachzuvollziehen vermag, aber dennoch den Feiertag für sich in Anspruch nehmen möchte, kaum besonders weitgehend und daher auch nicht unbillig zu nennen.

Jürgen Plöhn

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