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Gerechtigkeit gestalten
In diesem Monat ist in vielfältiger Weise an die friedliche Revolution von 1989 erinnert worden, die bisweilen als eine „protestantische“ charakterisiert worden ist.
Angesichts der Willkürherrschaft der SED, die glaubte, alle Regeln durchbrechen zu dürfen, wenn sie damit den geschichtsnotwendigen Sieg des Sozialismus förderte, verlangten die Demonstranten im Herbst 1989 eine gerechte Ordnung mit individuellen wie auch politischen Rechten.
Wenige Jahre später stellte Bärbel Bohley, eine der engagiertesten Oppositionellen in der DDR, sehr enttäuscht fest: „Wir haben Gerechtigkeit erwartet und den Rechtsstaat bekommen.“
In den Ohren eines Richters klingt das besonders bitter und böse.
Monika Maron hat darauf geantwortet: „... möge uns der liebe Gott den Rechtsstaat erhalten und uns vor Bärbel Bohleys Gerechtigkeit schützen“.
Man wird über die Aufarbeitung des DDR-Unrechts manches Kritische sagen können, aber ein Christ wird sich daran erinnern, daß Bärbel Bohleys Satz keineswegs besonders originell ist, son¬dern eine Abwandlung einer etwa hundert Jahre alten Aussage darstellt:
„Jesus verkündete das Reich Gottes – gekommen ist die Kirche“, hat der französische katholische Theologe Alfred Loisy bereits 1902 formuliert . Das ist eine Spitze gegen andere Theologen gewesen, auch wenn der Satz heute selbst von Benedict XVI mit Nachsicht kommentiert wird.
„Gerechtigkeit gestalten!“ – ist das möglich ohne Strukturen? Ist das vielleicht nur eine Sache für Juristen – oder für Politiker? Ja: Ist das überhaupt möglich?
In der öffentlichen Diskussion wird der Begriff der Gerechtigkeit vielfach als evident vorausge¬setzt: Gerecht ist, was „ich“ dafür halte! Es ist, wie einer meiner Kommilitonen, Frank Nullmeier, gerade in dieser Woche geschrieben hat, nicht möglich, sich in einer öffentlichen Diskussion gegen Gerechtigkeit auszusprechen . Insoweit stellt sie – anders als die Gleichheit und stärker noch als der Friede – einen unumstrittenen Höchstwert dar.
Theologisch kann man daran übrigens eine im Mittelalter höchst kontroverse Diskussion an¬knüpfen, den sogenannten „Universalienstreit“ : Ist die Gerechtigkeit deshalb so offenkundig „gut“ und von allen akzeptiert, weil Gott sie will – oder ist sie Gott vorgegeben und Gott will sie, weil sie „gut“ ist ? Katholiken und Reformierte sehen Gott typischerweise an das Gute gebunden und halten die gegenteilige Position für atheistisch, Lutheraner halten Gott für frei in seinem Willen und die gegenteilige Position für eine Leugnung seiner Allmacht.
Völlig andere Frontstellungen erhält man hingegen, wenn man die „Gerechtigkeit“ mit einem Beiwort verziert: „Politische“ oder „soziale“ Gerechtigkeit sind inhaltlich ebenso umstrittene Begriffe wie „Generationengerechtigkeit“, „Teilhabegerechtigkeit“, „Verteilungsgerechtigkeit“, „Leistungs-“ oder „Chancengerechtigkeit“. Offenkundig ist der konkrete Inhalt von Gerechtigkeit keineswegs so scharf umrissen, wie diejenigen es gerne hätten, die pauschal soziale Gerechtigkeit einfordern oder vorhandenen Regelungen ebenso pauschal ihre Existenzberechtigung un¬ter Aspekten der Gerechtigkeit absprechen.
Fraglos gehört die Gerechtigkeit neben dem Frieden und der Freiheit zum Kernbestand der Grundlagen westlicher Demokratien. Sie ist ein Höchstwert. Aber sie muß in unsere Lebenswirklichkeit hinein umgesetzt werden. Und darum soll es uns heute gehen.
Wir fragen – in Anknüpfung an den Gottesdienst – zunächst: Was hat uns die Bibel für Anregungen zur Gerechtigkeit zu geben?
92 mal taucht der Begriff im Neuen Testament auf, davon 58 mal bei Paulus , aber auch an pro¬minenter Stelle bei Matthäus in der Bergpredigt. Dazu erwarten wir noch weitere Hinweise von Pfarrer Düchting.
Wie geht ein Exponent des Rechtsstaates mit dem Problem der Gerechtigkeit um, wenn er noch dazu ein engagierter evangeli¬scher Christ ist? Das soll uns Herr von Bassewitz erläutern.
Doch ist „Gerechtigkeit“ nach unser aller Vorverständnis kein Prinzip, das sich auf die staatliche Sphäre beschränkt. Sie wird von Eltern gefordert wie von Lehrern, sie gilt als grundsätzliche For¬derung in Deutschland wie in allen Ländern unserer Erde. Besonders pikant werden dabei dann stets Probleme, bei denen mit dem Brustton der Überzeugung von einzelnen Gruppen – seien es Bauern, seien es Gewerkschaften – in einem Land aus dem Begriff der Gerechtigkeit unmittelbar Forderungen abgeleitet werden, die Ansprüchen von Menschen in anderen Ländern scharf ent¬gegengesetzt sind. Zu diesem Bereich gesellschaftlicher Gestaltung von Gerechtigkeit haben wir Frau Dr. Hruby von der Kindernothilfe eingeladen.
Für seine eigene Gemeinde braucht man Pfarrer Düchting natürlich nicht vorzustellen, doch für die Gäste sei gesagt: Ralf Düchting kommt aus Mülheim und hat während seines Vikariats den Sprung nach Amerika gewagt, wo er so gut angekommen ist, daß er seinen Aufenthalt auf Bitten der Gemeinde noch verlängert hat und die Kontakte bis heute hält. Sein Ausbilder ist stolz auf ihn.
Herr von Bassewitz stammt aus einer weit verzweigten norddeutschen Familie, ist einer der Grün¬der des EAK Bezirks Niederrhein und verfügt neben seiner beruflichen Praxis als Strafrichter auch über kommunalpolitische und gemeindliche Erfahrungen.
Frau Dr. Hruby hat in Köln die Schule besucht und sodann auch dort studiert. Ihre 1981 erschienene Dissertation gilt dem Bild der Welt: „Imago Mundi. Eine Studie zur Bildungslehre Ernst Moritz Arndts“. Es gibt unter ihrem Namen seit 2 Jahren aber auch ein Märchen mit dem Titel „Felaminth“ (Viersen 2007). Heute arbeitet sie in Duisburg, kümmert sich dabei um ehren¬amtliche Mitarbeiter und ist durch ihre Gremienarbeit im Bereich der evangelischen Kirche mit Pfarrer Düchting bekannt.
Ich selbst stamme aus Hamburg, bin nun mit Unterbrechung durch 2 Jahre Bulgarien seit 1998 im Rheinland ansässig und seit Anfang letzten Jahres Vorsitzender des EAK im Bezirk Nieder¬rhein. Als Politikwissenschaftler lehre ich an der Martin-Luther-Universität in Halle und bin Projektmitarbeiter bei der Konrad-Adenauer-Stiftung.
Es läßt sich nicht übersehen, daß der Kreisverband der CDU für die Stadt Neuss zeitlich parallel eine Mitgliederversammlung durchführt. Der EAK bedauert dies und sieht hierin auch eine Ver¬letzung eines Kreisparteitagsbeschlusses. Er erkennt allerdings auch an, daß den Verantwort¬lichen die unterschiedlichen Gottesdienstzeiten nicht bewußt waren und für die Zukunft der Bußtag im Kalender der Parteigeschäftsstelle als ein für Parteiveranstaltungen gesperrter Tag markiert wird.
Angesichts der Willkürherrschaft der SED, die glaubte, alle Regeln durchbrechen zu dürfen, wenn sie damit den geschichtsnotwendigen Sieg des Sozialismus förderte, verlangten die Demonstranten im Herbst 1989 eine gerechte Ordnung mit individuellen wie auch politischen Rechten.
Wenige Jahre später stellte Bärbel Bohley, eine der engagiertesten Oppositionellen in der DDR, sehr enttäuscht fest: „Wir haben Gerechtigkeit erwartet und den Rechtsstaat bekommen.“
In den Ohren eines Richters klingt das besonders bitter und böse.
Monika Maron hat darauf geantwortet: „... möge uns der liebe Gott den Rechtsstaat erhalten und uns vor Bärbel Bohleys Gerechtigkeit schützen“.
Man wird über die Aufarbeitung des DDR-Unrechts manches Kritische sagen können, aber ein Christ wird sich daran erinnern, daß Bärbel Bohleys Satz keineswegs besonders originell ist, son¬dern eine Abwandlung einer etwa hundert Jahre alten Aussage darstellt:
„Jesus verkündete das Reich Gottes – gekommen ist die Kirche“, hat der französische katholische Theologe Alfred Loisy bereits 1902 formuliert . Das ist eine Spitze gegen andere Theologen gewesen, auch wenn der Satz heute selbst von Benedict XVI mit Nachsicht kommentiert wird.
„Gerechtigkeit gestalten!“ – ist das möglich ohne Strukturen? Ist das vielleicht nur eine Sache für Juristen – oder für Politiker? Ja: Ist das überhaupt möglich?
In der öffentlichen Diskussion wird der Begriff der Gerechtigkeit vielfach als evident vorausge¬setzt: Gerecht ist, was „ich“ dafür halte! Es ist, wie einer meiner Kommilitonen, Frank Nullmeier, gerade in dieser Woche geschrieben hat, nicht möglich, sich in einer öffentlichen Diskussion gegen Gerechtigkeit auszusprechen . Insoweit stellt sie – anders als die Gleichheit und stärker noch als der Friede – einen unumstrittenen Höchstwert dar.
Theologisch kann man daran übrigens eine im Mittelalter höchst kontroverse Diskussion an¬knüpfen, den sogenannten „Universalienstreit“ : Ist die Gerechtigkeit deshalb so offenkundig „gut“ und von allen akzeptiert, weil Gott sie will – oder ist sie Gott vorgegeben und Gott will sie, weil sie „gut“ ist ? Katholiken und Reformierte sehen Gott typischerweise an das Gute gebunden und halten die gegenteilige Position für atheistisch, Lutheraner halten Gott für frei in seinem Willen und die gegenteilige Position für eine Leugnung seiner Allmacht.
Völlig andere Frontstellungen erhält man hingegen, wenn man die „Gerechtigkeit“ mit einem Beiwort verziert: „Politische“ oder „soziale“ Gerechtigkeit sind inhaltlich ebenso umstrittene Begriffe wie „Generationengerechtigkeit“, „Teilhabegerechtigkeit“, „Verteilungsgerechtigkeit“, „Leistungs-“ oder „Chancengerechtigkeit“. Offenkundig ist der konkrete Inhalt von Gerechtigkeit keineswegs so scharf umrissen, wie diejenigen es gerne hätten, die pauschal soziale Gerechtigkeit einfordern oder vorhandenen Regelungen ebenso pauschal ihre Existenzberechtigung un¬ter Aspekten der Gerechtigkeit absprechen.
Fraglos gehört die Gerechtigkeit neben dem Frieden und der Freiheit zum Kernbestand der Grundlagen westlicher Demokratien. Sie ist ein Höchstwert. Aber sie muß in unsere Lebenswirklichkeit hinein umgesetzt werden. Und darum soll es uns heute gehen.
Wir fragen – in Anknüpfung an den Gottesdienst – zunächst: Was hat uns die Bibel für Anregungen zur Gerechtigkeit zu geben?
92 mal taucht der Begriff im Neuen Testament auf, davon 58 mal bei Paulus , aber auch an pro¬minenter Stelle bei Matthäus in der Bergpredigt. Dazu erwarten wir noch weitere Hinweise von Pfarrer Düchting.
Wie geht ein Exponent des Rechtsstaates mit dem Problem der Gerechtigkeit um, wenn er noch dazu ein engagierter evangeli¬scher Christ ist? Das soll uns Herr von Bassewitz erläutern.
Doch ist „Gerechtigkeit“ nach unser aller Vorverständnis kein Prinzip, das sich auf die staatliche Sphäre beschränkt. Sie wird von Eltern gefordert wie von Lehrern, sie gilt als grundsätzliche For¬derung in Deutschland wie in allen Ländern unserer Erde. Besonders pikant werden dabei dann stets Probleme, bei denen mit dem Brustton der Überzeugung von einzelnen Gruppen – seien es Bauern, seien es Gewerkschaften – in einem Land aus dem Begriff der Gerechtigkeit unmittelbar Forderungen abgeleitet werden, die Ansprüchen von Menschen in anderen Ländern scharf ent¬gegengesetzt sind. Zu diesem Bereich gesellschaftlicher Gestaltung von Gerechtigkeit haben wir Frau Dr. Hruby von der Kindernothilfe eingeladen.
Für seine eigene Gemeinde braucht man Pfarrer Düchting natürlich nicht vorzustellen, doch für die Gäste sei gesagt: Ralf Düchting kommt aus Mülheim und hat während seines Vikariats den Sprung nach Amerika gewagt, wo er so gut angekommen ist, daß er seinen Aufenthalt auf Bitten der Gemeinde noch verlängert hat und die Kontakte bis heute hält. Sein Ausbilder ist stolz auf ihn.
Herr von Bassewitz stammt aus einer weit verzweigten norddeutschen Familie, ist einer der Grün¬der des EAK Bezirks Niederrhein und verfügt neben seiner beruflichen Praxis als Strafrichter auch über kommunalpolitische und gemeindliche Erfahrungen.
Frau Dr. Hruby hat in Köln die Schule besucht und sodann auch dort studiert. Ihre 1981 erschienene Dissertation gilt dem Bild der Welt: „Imago Mundi. Eine Studie zur Bildungslehre Ernst Moritz Arndts“. Es gibt unter ihrem Namen seit 2 Jahren aber auch ein Märchen mit dem Titel „Felaminth“ (Viersen 2007). Heute arbeitet sie in Duisburg, kümmert sich dabei um ehren¬amtliche Mitarbeiter und ist durch ihre Gremienarbeit im Bereich der evangelischen Kirche mit Pfarrer Düchting bekannt.
Ich selbst stamme aus Hamburg, bin nun mit Unterbrechung durch 2 Jahre Bulgarien seit 1998 im Rheinland ansässig und seit Anfang letzten Jahres Vorsitzender des EAK im Bezirk Nieder¬rhein. Als Politikwissenschaftler lehre ich an der Martin-Luther-Universität in Halle und bin Projektmitarbeiter bei der Konrad-Adenauer-Stiftung.
Es läßt sich nicht übersehen, daß der Kreisverband der CDU für die Stadt Neuss zeitlich parallel eine Mitgliederversammlung durchführt. Der EAK bedauert dies und sieht hierin auch eine Ver¬letzung eines Kreisparteitagsbeschlusses. Er erkennt allerdings auch an, daß den Verantwort¬lichen die unterschiedlichen Gottesdienstzeiten nicht bewußt waren und für die Zukunft der Bußtag im Kalender der Parteigeschäftsstelle als ein für Parteiveranstaltungen gesperrter Tag markiert wird.